Politik

Banaszak und Lang auf neuem Kurs"Auch wir Grüne haben zum Aufstieg der Rechtsextremen beigetragen"

29.10.2026, 19:30 Uhr
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Im "ntv Salon" waren Felix Banaszak und Ricarda Lang zum ausführlichen Gespräch zu Gast.

Im "ntv Salon" sinnieren Grünen-Chef Felix Banaszak und seine Amtsvorgängerin Ricarda Lang über Fehler der Vergangenheit. Im Umgang mit AfD-Sympathisanten wollen beide eine neue Offenheit zeigen - statt auszugrenzen.

Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang sieht eine Mitverantwortung ihrer Partei für das Erstarken der AfD. "Natürlich haben auch wir Grüne zum Aufstieg der Rechtsextremen beigetragen", sagte Lang im Live-Podcast "ntv Salon". Das gelte allerdings auch für alle anderen Parteien. Sie finde es "komplett absurd", wenn bei fast 30 Prozent für eine Partei alle anderen sagten, sie hätten damit nichts zu tun.

Die Grünen seien in der Ampel-Zeit inhaltlich unklarer geworden und zugleich "kulturell verhärtet" bei der Frage, mit wem man rede, analysierte Lang. So sei "in Teilen selbst verschuldet, in Teilen natürlich auch von außen noch mal in Zerrbilder vergrößert" der Eindruck entstanden: "Wenn ich da mitmachen will, muss ich die richtige Sprache sprechen. Wenn ich ein Mann bin, habe ich im Feminismus erst mal gar nichts zu suchen. Und wenn ich Auto fahre, dann bin ich beim Klimaschutz automatisch außen vor."

Ziel müsse eine neue Offenheit sein. "Es sollte ja nicht darum gehen, eine Tür zu kreieren, die möglichst aussieht wie die im Berghain, sondern möglichst viele Menschen zum Mitmachen einzuladen." Das Berghain ist ein Berliner Club, der für seine strenge Auswahl am Einlass bekannt ist. Auch Menschen, die Auto fahren, wollten, "dass ihre Kinder auf einem lebenswerten Planeten leben", sagte die Bundestagsabgeordnete Lang. Und niemand müsse "ein bestimmtes Buch gelesen haben", um sich für soziale Sicherheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Das Ziel könne nicht sein, "im Kreis der Überzeugten uns gegenseitig auf die Schultern zu klopfen", sondern "raus aus der Blase zu gehen und Mehrheiten zu schaffen".

Parteichef Felix Banaszak beschrieb seine Sicht, warum die AfD gerade so viele Menschen erreiche: "Es gibt gerade nichts, was Menschen so viel Selbstwirksamkeit gibt wie eine Stimme für die AfD." Die Demokraten müssten sich deshalb fragen, wie sie Menschen umgekehrt wieder das Gefühl geben könnten, "dass ihre Stimme etwas zählt, dass ihre Perspektive etwas wert ist". Die Hürde für die Grünen sei dabei selten das Wahlprogramm, sondern "dass die Menschen das Gefühl haben, die Grünen mögen sie nicht".

"Grüne sind Menschen, Herrgott!"

Banaszak erzählte, er sei ohne Auto aufgewachsen, weil sein Vater keinen Führerschein machen konnte; der eigene Führerschein sei für ihn eine "tolle Freiheitserfahrung" gewesen. Auf die Kritik, "Auto ist Freiheit" sei kein grünes Narrativ, antworte er: "Da hast du vollkommen recht. Aber es war halt mein Leben, und mein Leben war kein grünes Narrativ. Das Leben der allermeisten Menschen ist kein grünes Narrativ."

Anschlussfähigkeit wolle er nicht erreichen, indem die Grünen inhaltlich beliebig würden, etwa beim Ziel der Klimaneutralität. "Aber wenn wir Leute mit im Boot haben wollen, dann sollen sie nicht das Gefühl haben, wir reden ihnen ein, ihr Leben sei falsch oder sie würden das falsche Leben führen." Politik müsse aus seiner Sicht erst im Alltag der Menschen ansetzen und sie dann mitnehmen, statt ein Narrativ vorzugeben, bei dem außen vor bleibe, wer nicht mitmache.

Banaszak berichtete, wie er im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt bei einem Grillabend auf einem Campingplatz in der Altmark bewusst nicht nur Veganes serviert habe. "Auf dem Grill gab es halt nicht nur veganen Käseersatz, sondern eine Wurst. Eine echte." Das sei dann sogar die Überschrift in Zeitungsartikeln gewesen: "'Auch Grüne essen Fleisch, fliegen in Urlaub und grillen Wurst.' Als wäre das eine Botschaft. Grüne sind Menschen, Herrgott!"

Hätte er an diesem Abend gesagt, "es gibt hier übrigens nur die Tofu- und Seitanwurst aus dem Biomarkt", dann wären nicht 65 Leute, sondern lediglich 15 Grüne dagewesen, so Banaszak. "Und dann wäre vermutlich das Gespräch weniger ergiebig gewesen und wir hätten es weniger geschafft, Hürden abzubauen. Und dafür werbe ich einfach, dass es uns hilft, die in der Sache ambitionierte Politik auch mehrheitsfähig zu machen."

Banaszak und Co-Chefin Franziska Brantner wollen auf dem Parteitag Anfang Dezember für eine zweite Amtszeit kandidieren; sie führen die Grünen seit November 2024.

Quelle: ntv.de, tar/shu

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