Wirtschaft

Sparen, Verkaufen, UmbenennenSiemens Healthineers schüttelt sich durch - Stellenabbau kommt

05.11.2026, 13:56 Uhr
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Siemens Healthineers konzentriert sich künftig noch mehr auf Großgeräte wie CT. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Der Technologiekonzern Siemens zieht sich im nächsten Jahr wie vereinbart weiter aus der früheren Tochter Healthineers zurück. Für die neue noch größere Eigenständigkeit strafft sich der Medizintechniker - mit einem Sparprogramm, einer Verschlankung und einem neuen Namen.

Der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers will seine Diagnostik-Sparte verkaufen. Die Ausgliederung des Geschäfts mit Laborstraßen, das für ein Sechstel des Umsatzes und ein Fünftel der Belegschaft steht, sei eingeleitet worden, teilte die Siemens-Tochter Erlangen mit. Es soll bis Mitte 2028 ein eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Olyrian Diagnostics werden. Vorstandschef Bernd Montag sagte Bloomberg TV, es gebe schon Interessenten für die Sparte. Die Sparte steht ebenso vor einem weiteren Sparprogramm wie das Kerngeschäft. Bei Olyrian sollen die Kosten um 400 Millionen, bei Healthineers um mindestens 300 Millionen Euro gesenkt werden. "Das wird auch Arbeitsplätze betreffen", sagte Finanzchef Jochen Schmitz.

Montag hatte mehrfach deutlich gemacht, dass er die zuletzt renditeschwache Sparte nicht mehr zum Kerngeschäft zählt, weil es keine Synergien zum Geschäft mit CTs, MRTs und Krebstherapie-Geräten gebe. Das Diagnostik-Geschäft leidet besonders unter dem Umbau des Gesundheitssystems in China, das den Labor-Umsatz fast halbiert hat. Siemens hatte die Labor-Sparte erst 2006 und 2007 mit drei milliardenschweren Übernahmen aufgebaut. Beim Börsengang von Siemens Healthineers 2018 galt die neue Produktlinie "Atellica" als Hoffnungsträger, konnte die Erwartungen aber lange nicht erfüllen. Mittelfristig seien wieder Margen von rund 15 Prozent möglich, sagte Finanzvorstand Schmitz. Die künftige Olyrian ist in dem Geschäft die weltweite Nummer drei hinter Roche und Abbott Labs.

Auch die übrigen Mitarbeiter von Siemens Healthineers müssen sich an einen "neuen oder doch nicht ganz neuen Namen" - wie Montag es beschreibt - gewöhnen. Der Namensteil Siemens werde im Zuge des geplanten Teilrückzugs des bisherigen Mutterkonzerns über die nächsten drei Jahre gestrichen. Die Siemens AG hat angekündigt, sich bei Healthineers 2027 auf einen Minderheitsanteil zurückzuziehen. Bisher hält sie 67 Prozent der Anteile, rund 30 Prozent sollen den Siemens-Aktionären - wohl im April oder Mai - in die Depots gebucht werden. Siemens Healthineers folgt damit dem Beispiel der ehemaligen Schwester Siemens Energy, die sich in Omterra umbenennen will.

Die Konsequenz aus der Abspaltung der Diagnostik und der Trennung von Siemens ist ein neues Sparprogramm. Ohne die Sparte und den Ausstieg aus dem Geschäft mit herkömmlichen Ultraschall-Geräten sei die Verwaltung zu groß, und die Refinanzierung der milliardenschweren Kredite verteuere sich ohne Siemens, sagte Schmitz. Was genau geplant ist, soll im nächsten Jahr festgezurrt werden und sich ab 2028 im Ergebnis niederschlagen. Bei Healthineers läuft bereits ein 200 Millionen Euro schweres Sparprogramm als Reaktion auf die US-Zölle, die das Unternehmen mit rund 400 Millionen Euro belasten.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Healthineers allenfalls mit einem stagnierenden Gewinn. Der Umsatz werde um vier bis fünf Prozent zulegen. Dem lägen "vorsichtigere Annahmen für das Wachstum in China" zugrunde, sagte Schmitz. Das bereinigte Ergebnis je Aktie werde nach zuletzt 2,42 nun zwischen 2,20 und 2,40 Euro landen, nachdem der Gewinn im vergangenen Jahr von einigen Sondereffekten begünstigt worden sei. 2025/26 stieg der Umsatz um vier Prozent auf 23,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel leicht auf 3,82 Milliarden Euro. Die Dividende soll mit einem Euro je Aktie stabil bleiben, die Experten hatten fünf Cent mehr erwartet.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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