Prämie als TreibstoffPkw-Markt zieht mit Boom bei E-Autos an

Der Kauf von E-Autos wird vom Staat gefördert - und schlägt sich auch im Oktober in den Verkaufszahlen nieder. Nur noch gut jeder vierte neu zugelassene Pkw ist ein reiner Verbrenner. Da der Fördertopf einen Boden hat, erwarten Experten absehbar ein Ende des Trends.
Die sprunghaft steigende Nachfrage nach Elektroautos hat dem deutschen Automarkt im Oktober zu einem Plus verholfen. Insgesamt wurden 254.492 Fahrzeuge neu zugelassen, das sind 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilte. Dabei ist der Anstieg allein auf ein deutliches Plus bei Elektroautos zurückzuführen. Hier spielen neben der staatlichen Förderung auch die hohen Spritpreise eine Rolle. Die Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennermotor, zu denen auch Hybridautos gehören, brach dagegen ein.
"Der Markt läuft - aber er läuft vor allem wegen der Prämie", erklärte Constantin Gall, Autoexperte der Beratungsfirma EY, mit Blick auf die E-Auto-Förderung. "Daran wird sich in den nächsten Monaten auch nichts ändern, denn der Fördertopf ist noch längst nicht ausgeschöpft", sagte er weiter. Spannend werde es, wenn das Geld nicht mehr fließt. "Ich gehe davon aus, dass die Elektro-Zulassungen dann wieder deutlich einbrechen, so wie 2024, nachdem die Förderung im Dezember 2023 gestoppt worden war."
Insgesamt wurden 94.086 neue Elektroautos angemeldet, das sind fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als jeder dritte Neuwagen verfügt damit nur noch über einen Elektroantrieb. Deutsche Autobauer profitieren allerdings nicht so stark vom Elektroautoboom wie ausländische Marken, die ihren Absatz mehr als verdoppelten.
Autos mit Hybrid-Antrieb ohne externe Lademöglichkeit kamen auf einen Marktanteil von fast 27 Prozent. Weitere 11 Prozent entfielen auf Plugin-Hybride, also Hybrid-Autos mit externer Lademöglichkeit. Zusammengenommen liegen diese beiden Antriebsarten also noch leicht vor E-Autos. beide Antriebsarten fanden derweil etwas weniger Zuspruch als vor einem Jahr. Die Verkäufe reiner Verbrenner brachen weiter ein, bei Benzinern um 40,5 Prozent und bei Dieseln um 21,6 Prozent. Sie kam noch auf Marktanteile von 15 und 9 Prozent. Insgesamt wurden 62.400 reine Verbrenner neu zugelassen.
"Der deutsche Pkw-Markt entwickelt sich in diesem Jahr erfreulich, und die internationalen Hersteller wachsen sogar noch stärker", sagte Imelda Labbe, Präsidentin des Importeursverbands VDIK. Mit einem Plus von 8,5 Prozent legten sie rund doppelt so stark zu wie der Gesamtmarkt. Inzwischen komme jedes zweite in Deutschland verkaufte Elektroauto von einer Importmarke.
Haupttreiber des E-Auto-Booms sind private Autokäufer. Sie meldeten gut ein Fünftel mehr Neuwagen an als im Vorjahr. Die gewerblichen Zulassungen schrumpften dagegen um mehr als acht Prozent. Gerade für die deutschen Hersteller wie BMW oder Audi spielen Gewerbekunden eine besonders wichtige Rolle.
EY zufolge profitieren vom Aufwärtstrend beim Neuwagenabsatz seit Monaten vor allem ausländische Autokonzerne - die deutschen Konzerne verlieren demnach Monat für Monat Marktanteile. Am stärksten legten erneut chinesische Hersteller zu. «Ihr Marktanteil stieg von 5,2 auf 8,4 Prozent», teilte EY mit.
Die Autoproduktion in Deutschland ging unterdessen nach Angaben des Branchenverbands VDA zurück. Insgesamt wurden im Oktober 326.300 Autos in deutschen Werken gebaut, das sind sieben Prozent weniger als vor Jahresfrist. Nach den ersten zehn Monaten sind es 3,37 Millionen Fahrzeuge, was einem Rückgang von vier Prozent entspricht. Damit liege die Fahrzeugproduktion immer noch um 15 Prozent unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie.