ThüringenHandarbeitscafés in Thüringen: Viel Fleiß gefragt

Ob Stricken, Töpfern oder Handwerken - auch in Thüringen gibt es einige Möglichkeiten, in gemütlichem Ambiente gemeinsam kreativ zu sein. Wirtschaftlich ist das jedoch oft eine Herausforderung.
Jena/Erfurt (dpa/th) - Bei einer Tasse Kaffee oder Tee und einem Stück Kuchen kreativ werden: Handarbeitscafés und ähnliche Formate sind in Thüringen gefragt. "Die Leute wollen lernen und - was vielleicht noch wichtiger ist - gemeinsam eine gute Zeit verbringen", sagt Vanessa König vom "Kabuff" in der Universitätsstadt Jena, das neben einem Café auch ein Keramikmalstudio im Angebot hat. Auch die Sprecher der "Universal Drogerie" mit dem Fokus auf Keramik, dem Kerzencafé (beide in Erfurt) oder das Atelier-Café "Vivantia" in Jena, bei dem das künstlerische Schaffen im Mittelpunkt steht, bestätigen ein reges Interesse an der Verbindung von Gastronomie und Kreativität.
Gerade in der heutigen Konsumgesellschaft komme Handarbeit und gemeinsamen Projekten wieder mehr Bedeutung zu, heißt es übereinstimmend. Gemeinschaft, Gespräche und eine entspannte Atmosphäre seien gefragt.
Konzept meist eher für größere Städte geeignet
Obwohl das Interesse an der Verbindung von Essen, Trinken und Erleben steige, sei es nicht einfach, ein solches Konzept wirtschaftlich auf die Beine zu stellen, weiß Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des Hotellerie- und Gastronomieverbandes Dehoga Thüringen. So sei ein Café alleine schon recht arbeitsintensiv zu betreiben. Wenn noch ein zeitaufwendiges zweites Angebot hinzukomme, stelle sich schnell die Frage nach weiteren Mitarbeitern - und vor allem deren Finanzierung.
In ländlichen Regionen sind vor allem Vereine aktiv
In ländlichen Gebieten komme außerdem etwa die Frage nach genug Kundschaft hinzu. "Daher werden solche Konzepte vermutlich in erster Linie auf die größeren Städte beschränkt bleiben", schätzt Ellinger. In den vielen eher ländlich geprägten Regionen im Freistaat Thüringen sei das Potenzial für ein erfolgreiches Handarbeitscafé eher gering. Nicht umsonst seien es dort in erster Linie Vereine oder Gruppierungen, die regelmäßig Handarbeitstreffen anbieten.
"Grundsätzlich ist es wichtig, immer am Ball zu bleiben und sich bei Bedarf neu zu erfinden", so die Betreiberin König. So habe sich das "Kabuff" in der Stadt Jena seit dem Jahr 2017 von einem Café mit Stoffladen über die Jahre zu einem Café mit verschiedenen Kreativangeboten entwickelt - und sei damit der Nachfrage der Kunden gefolgt. Heute diene das Café als Ort, an dem sich Kunden zum Stricken, Lesen oder Kartenspielen treffen könnten. Die Kreativangebote und die Keramikmalwerkstatt würden als Kurse mit Anmeldung durchgeführt.
Erfurter Kerzencafé gibt es bereits seit 2009
Auch andere Formate haben ihre Angebote über die Jahre angepasst, jedes funktioniert unterschiedlich. In der "Universal Drogerie" in der Landeshauptstadt Erfurt können Gäste der Keramikerin Nina Rüger bei einer Tasse Kaffee bei der Arbeit in ihrer Werkstatt zusehen und ebenfalls Kurse belegen. Im Erfurter Kerzencafé, das bereits 2009 eröffnet und 2016 von den aktuellen Inhaberinnen übernommen wurde, könnten zwar ganz spontan während des Besuchs Kerzen gezogen oder gegossen werden, erklären die Inhaberinnen Irina und Renate Mahn. Hier sei es aber aufgrund der teils großen Nachfrage unbedingt sinnvoll, vorher einen Platz zu reservieren. Bis Weihnachten sind die Plätze allerdings bereits fast ausgebucht - es sind nur noch wenige Plätze verfügbar. Kein Wunder, denn das Angebot komme auch überregional gut an, so die Betreiberinnen.
Finanzierung ist oft eine Herausforderung
Obwohl die Gastronomen mit ihren unterschiedlichen Konzepten ihre Nische gefunden haben, seien die Projekte aber immer eine gewisse Herausforderung, heißt es übereinstimmend von den Machern. In manchen Fällen betreffe das vor allem den Arbeitsaufwand, in anderen die Finanzierung. Neben den Personalkosten sorgten unter anderem die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise für Kostendruck - selbst bei großer Nachfrage und ausgebuchtem Haus. "Reich werden wir mit dem Konzept jedenfalls nicht", fasst Nina Rüger von der "Universal Drogerie" stellvertretend für viele Kollegen anderer Anbieter zusammen. Oft gibt es statt eines einzigen Betreibers mehrere Partner, die sich die Arbeit teilen.
Neues Angebot in Jena
Trotz der teils schwierigen Umstände kommen in Thüringen immer wieder auch neue Konzepte hinzu. So eröffnete gerade jüngst in Jena das Atelier-Café "Vivantia" seine Türen. Nach einer einmonatigen Testphase in der Ratszeise im alten Rathaus war bei Elena und Riccardo Efa der Entschluss gefallen, ein offenes Atelier mit Café auf die Beine zu stellen, bei dem Gäste - anders als bei vielen anderen Angeboten - auch die Gelegenheit haben sollen, spontan verschiedene Kunstformen auszuprobieren: vom Aquarellmalen über kreatives Stricken bis hin zum Upcycling. Zudem würden auch verschiedene Kurse angeboten.
"Die Leute wollen Dinge selbst machen und sich kreativ betätigen", ist sich Efa sicher. Handarbeit und Kunst könnten gleichermaßen Entschleunigung, persönlichen Ausdruck und Gemeinschaft ermöglichen. Mit dem richtigen Konzept und guten Ideen sei es möglich, den Traum vom eigenen Handarbeitscafé auch in Thüringen Wirklichkeit werden zu lassen.