Regionalnachrichten

SachsenDie Pilze sprießen in Sachsens Wäldern - aber nicht überall

19.09.2026, 04:02 Uhr
image

Wer am Wochenende "in die Pilze gehen" will, hat gute Chancen - zumindest dort, wo es genügend geregnet hat.

Syrau (dpa/sn) - Für Pilzsammler kann sich an diesem Wochenende ein Ausflug in sächsische Wälder lohnen. "Die Pilze sprießen", freut sich der Pilzsachverständige und Betreiber einer Pilzschule im Vogtland, Steffen Schmidt. Das treffe vor allem dort zu, wo es in den vergangenen Tagen ausreichend geregnet hat, wie etwa im Vogtland und im Erzgebirge.

"Es werden momentan die klassischen Speisepilze gefunden, wie der Steinpilz, der Flockenstielige Hexen-Röhrling, die Maronenröhrlinge und verschiedene Täublinge. Der Perlpilz ist auch da", sagt Schmidt.

Anders sieht es in und um Chemnitz aus. "Bei uns lohnt es sich noch nicht", sagt Wolfgang Friese, Pilzsachverständiger des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) Sachsen. Dort fehle noch der Regen. "Die Wetterlage ist territorial sehr unterschiedlich. Es gibt Ecken, da hat es wirklich mehr oder weniger geregnet zu bestimmten Zeiten, und das muss dann alles zusammenpassen für die Pilze."

Beratungstermin vorab vereinbaren

Wer sammelt und seine Ausbeute vom Experten checken lassen will, sollte sich vorher telefonisch bei einem der Pilzberater melden, um einen Termin zu vereinbaren. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie führt im Internet eine Kontaktliste, über die sich bundesweit Experten recherchieren lassen. "Man muss bedenken, die Leute machen das alle ehrenamtlich", sagt Schmidt. Bei der Beratung werde nicht nur aussortiert, sondern auch erklärt. Das könne auch mal eine Stunde dauern, spontan sei das nicht zu schaffen.

Zur Beratung sollten Sammler den ganzen Pilz mitbringen und ihn nicht mit dem Messer abschneiden, sondern mit dem Teil im Boden entnehmen. "Und noch was Wichtiges: So wenig es geht und insbesondere auch nicht am Stiel anfassen", betont Schmidt. Denn gerade dort sitzen relevante Merkmale. "Wenn es geht, den Pilz mit Daumen und Zeigefinger oben und unten anfassen, oder links und rechts am Hut."

Diese Pilze werden häufig verwechselt

Häufig verwechselt werden laut dem Experten etwa der Steinpilz und der Gallenröhrling oder Bitterpilz. Letzterer ist zwar nicht giftig, aber wegen seines gallebitteren Geschmacks ungenießbar. Zuletzt habe eine Frau auch einen Schönfußröhrling in die Beratung gebracht. Eine Nachbarin habe ihr gesagt, alle Pilze mit Röhren seien essbar. "Das stimmt aber nicht. Der Schönfußröhrling ist ein Giftpilz, und den findet man hier im Vogtland-Erzgebirge durchaus."

Immer wieder komme es auch zu Verwechslungen des Perlpilzes mit dem giftigen Braunen Fliegenpilz, der sich erst seit einigen Jahren auch im Vogtland ausbreite und vielen unbekannt sei. Schmidt hat zur Unterscheidung einen einfachen Trick parat: "Wenn man von diesem braunen Fliegenpilz die Huthaut abzieht, ist der Hut unten drunter chromgelb, richtig kräftiges Chromgelb. Zieht man die Huthaut vom Perlpilz ab, ist dieser weiß oder ganz leicht rötlich." Ein "hundertprozentiges" Unterscheidungsmerkmal, so der Experte.

Was Hitze und Trockenheit mit der Pilzsaison machen

Unklar ist den Experten zufolge, ob sich der heiße Sommer und die lange Trockenheit langfristig auf die Pilze auswirken wird. "Es steckt in der Natur niemand drin", sagt Schmidt. Als im Sommer einmal viel Regen in wenigen Tagen gefallen sei, sei danach kein einziger Pilz gewachsen.

Jetzt sieht es allerdings anders aus. Der Regen vom vergangenen Wochenende habe etwas bewirkt: "Momentan sprießen Pilze in den Gebieten, wo es jetzt geregnet hat, aber man merkt, manche Arten fehlen oder eine Gattung fehlt." Umgekehrt würden auch etwa seltene Röhrlinge in diesem Jahr gefunden. Regional sei das sehr unterschiedlich.

Der Klimawandel verschiebt die Pilzsaison

Insgesamt macht sich der Klimawandel laut Friese bereits bemerkbar. So hätten sich etwa die Herbstpilze nach hinten verschoben. Das Pilzesammeln werde unberechenbarer. "Früher hat man gesagt, es gibt einen Frühjahrsaspekt, Sommeraspekt, Herbstaspekt, und da war das einigermaßen zuverlässig, aber das Wetter ist viel wechselhafter geworden und das wirkt sich aus."

Bei einer Pilzausstellung in Klosterbuch am vergangenen Wochenende etwa seien 140 Pilzarten gezeigt worden. Früher seien es zur gleichen Jahreszeit mehr als 200 gewesen. Ob nach dem besonders heißen und trockenen Sommer die Pilzsaison insgesamt schlechter ausfällt, lässt sich laut Fieler aber nicht vorhersagen.

Quelle: dpa

Regionales