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Mecklenburg-Vorpommern"Döns" und "Schnack" - Pommersches Wörterbuch vollendet

23.09.2026, 16:53 Uhr
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Vor rund 100 Jahren begann die Arbeit am Pommerschen Wörterbuch. Nun wurde der letzte Teil publiziert. Das Projekt hat eine bewegte Geschichte. Für einen Beteiligten geht es um mehr als nur Wörter.

Greifswald (dpa/mv) - Rund 100 Jahre nach seinen Anfängen ist das Pommersche Wörterbuch vollendet. Darin finden sich nach Angaben der Universität Greifswald Wörter wie "Schnack", etwa Gerede oder Geplauder, aber auch die "Döns", ein aus dem Slawischen entlehntes Wort für die beheizbare Stube in einem Bauernhaus. Das Werk umfasse gut 65.000 Wörter und dokumentiere den dialektischen Wortschatz der ehemaligen preußischen Provinz Pommern.

Nachdem der erste Teil mit den Buchstaben A bis K bereits gebunden als ein Buch existiere, lägen die 13 Lieferungen, die Stück für Stück für die übrigen Buchstaben publiziert worden seien, bislang nicht als ein Band vor, erklärte Matthias Vollmer, Leiter der Arbeitsstelle Pommersches Wörterbuch.

Das Projekt hat nach Angaben der Universität eine wechselhafte Geschichte. Demnach begann Wolfgang Stammler bereits 1925 die Wörterbuchstelle an der Universität Greifswald. 1945 seien aber fast alle gesammelten Daten dem Krieg zum Opfer gefallen. 1947 habe Hans-Friedrich Rosenfeld die Arbeit wieder aufgenommen - nun koordiniert von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

Rund 1,2 Millionen Belegzettel

Ende der 1960er Jahre habe das Archiv rund 1,2 Millionen Belegzettel umfasst. Diese Zettel dokumentieren auf Grundlage der Angaben von Sprechern und Sprecherinnen des pommerschen Plattdeutsch Bedeutung und die geografische Verbreitung eines Wortes sowie die sprachlichen Kontexte, in denen es bezeugt ist. Damit dienen die Zettel als Gerüst für das eigentliche Wörterbuch.

Das Vorhaben wurde den Angaben zufolge jedoch 1969 aus politischen Gründen noch vor einer Publikation eingestellt. Pommern als Begriff sei zu DDR-Zeiten tabuisiert worden, erklärte Vollmer.

Das Archiv mit seinen 526 Zettelkästen blieb laut Uni jedoch in Greifswald erhalten. Nach Aussage Vollmers sei das Archiv auch immer in Greifswald gewesen. Auch die eigentliche Arbeit sei stets dort erfolgt. Lediglich von wo diese koordiniert worden sei, habe gewechselt.

Neustart nach der Wende

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Projekt laut Universität neu gestartet. Auf Initiative von Renate Herrmann-Winter, die das Pommersche Wörterbuch bis zur Einstellung der Arbeiten Ende der 1960er Jahre geleitet hatte, richtete die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig demnach die Arbeitsstelle 1992 wieder ein. 1999 habe das Land Mecklenburg-Vorpommern die alleinige Finanzierung übernommen. Im selben Jahr sei auch die Zuständigkeit an die Universität Greifswald zurückgekehrt. Die Arbeitsstelle gehört seitdem zum dortigen Institut für Deutsche Philologie.

Das fertige Wörterbuch schließt nach Angaben der Universität einen der letzten weißen Flecken auf der Landkarte der Dialektwörterbücher im deutschen Sprachraum.

Vollmer sagt, das Wörterbuch eröffne auch einen Zugang zur regionalen Kulturgeschichte und zu den Lebenswelten der Menschen, die diese Mundarten gesprochen hätten - und auch heute noch sprächen. "Die Einträge lassen Rückschlüsse darauf zu, wie sie gearbeitet, ihre Umwelt wahrgenommen und ihren Alltag beschrieben haben." Es leiste einen wichtigen Beitrag dazu, das kulturelle Gedächtnis Pommerns zu bewahren und für die Forschung zugänglich zu machen.

Quelle: dpa

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