HessenGrippe in Hessen: Patientenzahlen steigen deutlich an

Die Grippezeit läuft in Hessen an, die gemeldeten Fallzahlen liegen über dem Vorjahresniveau. Der Hausärzteverband rät, den Impfschutz rechtzeitig aufzufrischen.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Fieber, Gliederschmerzen und Reizhusten - die Grippesaison in Hessen läuft an. Auch in den Hausarztpraxen macht sich das bemerkbar: Christian Sommerbrodt, erster Vorsitzender des Hausärzteverbands Hessen, beobachtet derzeit einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen.
In der vergangenen Woche übermittelten die Gesundheitsämter in Hessen 32 Fälle saisonaler Influenza an das Robert Koch-Institut (RKI). Das geht aus den aktuellen Meldedaten hervor.
In den drei Wochen zuvor schwankten die Zahlen: Zunächst wurden 21 Fälle gemeldet, in der darauffolgenden Woche 39 und anschließend 29. Insgesamt übermittelten die Gesundheitsämter in den vergangenen vier Wochen 121 Grippefälle. Im entsprechenden Zeitraum des vergangenen Jahres waren es hingegen 99. Damit liegt die Zahl der gemeldeten Grippeinfektionen rund 22 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Wie Sommerbrodt berichtet, zeichnet sich diese Entwicklung in den hessischen Wartezimmern ab. Aktuell gebe es dort etwas mehr Infektionsfälle als gewöhnlich. Zudem würden die Akut- und Videosprechstunden vermehrt genutzt.
Weniger gemeldete Corona-Infektionen als im Vorjahr
Auch Corona-Infektionen spielen derzeit eine Rolle. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen allerdings deutlich niedriger. Aus den Daten des RKI geht hervor, dass in der vergangenen Woche in Hessen 85 Fälle erfasst wurden. In der entsprechenden Woche des Vorjahres waren es noch 388.
Im Rückblick auf die vergangenen vier Wochen zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied: Insgesamt wurden in Hessen 283 Corona-Fälle gemeldet. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 1.470 – mehr als fünfmal so viele.
Die Corona-Meldezahlen seien aber nur eine von mehreren Kennzahlen, die für die Einschätzung des Infektionsgeschehens eine Rolle spielen, sagte eine RKI-Sprecherin bereits Anfang Oktober. Zudem würden sich deutlich weniger Menschen auf das Virus testen.
Impfen: Vorbereitung auf Grippewelle zwischen den Jahren
Das hessische Gesundheitsministerium hatte bereits Anfang Oktober dazu aufgerufen, den Impfschutz prüfen und gegebenenfalls auffrischen zu lassen. "Der beste Zeitraum dafür ist bis Mitte Dezember, damit ist man auf die jährliche Grippewelle um Weihnachten und Neujahr gut vorbereitet", sagt Sommerbrodt.
Besonders betroffen seien Kinder bis fünf Jahre, ältere Menschen, Personen mit chronischen Vorerkrankungen und weitere Risikogruppen. "Deswegen sind die Impfungen so wichtig", sagt der Verbandsvorsitzende.
Dabei gehe es nicht nur um die Grippeimpfung. Auch Impfungen gegen Corona, Pneumokokken und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), eine Unterform der Lungenentzündung, seien wichtig, insbesondere für ältere und chronisch kranke Menschen.
Impfquote bleibt aus Sicht des Hausärzteverbands zu niedrig
Nach Angaben Sommerbrodts lassen sich jedes Jahr rund zehn Millionen Menschen in Deutschland gegen Grippe impfen. Das seien zu wenige. Nach seiner Einschätzung müssten sich 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, insbesondere Menschen aus Risikogruppen. Die Impfquote liege bundesweit seit Jahrzehnten jedoch meist nur zwischen 30 und 40 Prozent.