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Berlin & BrandenburgSchülerschaft: Wir brauchen mehr Unterricht über Demokratie

18.09.2026, 12:31 Uhr
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Unangekündigte Tests abschaffen, Politik-Unterricht stärken – Brandenburgs Schüler fordern Veränderungen für die Schulen. Der Bildungsminister lobt den Zehn-Punkte-Plan, dämpft aber die Erwartungen.

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Schülerinnen und Schüler haben einen Zehn-Punkte-Plan für die Bildungspolitik aufgestellt: Darin fordern sie unter anderem mehr Rücksicht auf ihre mentale Gesundheit und mehr Unterricht über Politik und über Medien an den Schulen. Außerdem wollen sie mehr Mitspracherecht in politischen Entscheidungen - etwa bei der Überarbeitung der Rahmenpläne - und dass die Leistungsbewertung via Noten in allen Fächern überdacht wird.

Konkrete Vorschläge sind: Um Stress zu reduzieren und damit mentalen Belastungen entgegenzuwirken, sollen unangekündigte Tests abgeschafft werden. Zudem stellt der Landesschülerrat die Idee in den Raum, dass Politische Bildung ein Pflichtfach von der 5. Klasse bis zum Schulabschluss wird und Medienbildung ab der 3. Klasse als eigenständiges Fach eingeführt wird.

Schülersprecher: Zukunftsängste durch Beteiligung abbauen

"Es geht nicht mehr nur darum zu verstehen, wie beispielsweise das Herrschaftssystem in Athen funktioniert hat", begründet Landesschülersprecher Jakob Stamm den Plan. "Sondern es geht ganz konkret darum zu lernen: Wie kann ich als junger Mensch partizipieren?" Es helfe, Zukunftsängste abzubauen, wenn Schülerinnen und Schülern wüssten: "Wie kann ich Dinge, die mich persönlich stören, verändern?" Mehr Aufklärung über Demokratie sei dringend nötig angesichts extremistischer Strömungen in der Gesellschaft.

Vertreten werden die Schülerinnen und Schüler in Brandenburg durch Jakob Stamm (16) vom Hannah-Arendt-Gymnasium in Potsdam, Mia Neumann (15) vom Gymnasium auf den Seelower Höhen und Paul Gering (16) vom Friedrich-Anton-von-Heinitz-Gymnasium in Rüdersdorf.

Bildungsminister: "Lasse Forderungen in meinem Haus prüfen"

Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) zollte dem Engagement des Landesschülerrates seinen Respekt, dieser sei ein wichtiger Ansprechpartner für das Ministerium."Ich nehme die Forderungen sehr ernst und lasse sie in meinem Haus prüfen", teilte der Minister der Deutschen Presse-Agentur mit.

Hoffmann verspricht Gespräche mit den Vertreterinnen und Vertretern der Schülerschaft, dämpfte aber zugleich die Erwartungen: "Nicht alle Wünsche, auch wenn sie sinnvoll und nachvollziehbar sind, lassen sich erfüllen. Vor allem die finanzielle Situation des Landes setzt uns hier deutliche Grenzen."

Hier alle zehn Forderungen des Schülerrats im Überblick:

  • Mentale Gesundheit: Die Schulsozialarbeit soll aufgestockt werden - auf eine Stelle pro 150 Schülerinnen und Schüler. Außerdem soll es keine unangekündigten Tests mehr geben. "Mentale Gesundheit wird heute ständig debattiert, jedoch ändert sich in Schulen seit Jahren nichts", sagt Jakob Stamm.

  • Politische Bildung: Das Fach soll verpflichtend von der 5. Klasse bis zum Schulabschluss unterrichtet werden. "Wir dürfen den erstarkenden Extremen nicht entgegenkommen, indem wir nicht über Populismus und so weiter aufklären", sagt Mia Neumann.

  • Bewertungen: Das Benotungs- und Bewertungssystem soll überarbeitet werden. Zu oft rückten die Inhalte in den Hintergrund und Noten würden als Belastung empfunden. "Wie gerecht ist es, wenn wir bewerten, wie viele Liegestütze ein Schüler oder eine Schülerin kann?", sagt Paul Gering.

  • Streikrecht: Schülerinnen und Schüler sollen gesetzlich verankerte Streikrechte bekommen. Das sei eine wichtige Möglichkeit, "der Zukunft eine Stimme zu geben", sagt Gering.

  • Medienbildung: Medienbildung soll ab der 3. Klasse als einzelnes Fach eingeführt werden. "Medienbildung dem Elternhaus zuzuschreiben und sich dann darauf auszuruhen, das ist ein fataler Fehler. Meistens wissen die Erwachsenen selbst nicht so richtig, was sie da tun", sagt Gering.

  • Deutschlandticket: Die lokalen Nahverkehrstickets für Schülerinnen und Schüler sollten zum Deutschlandticket umgewandelt werden. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei ausschlaggebend für Belastbarkeit und die mentale Gesundheit. "Auf dem Land ist das oft nicht möglich", sagt Neumann.

  • Gesamtschulen: Gesamtschulen sollten stärker gefördert werden. Es gehe um die Frage: "Wie können wir weiterhin ein System aufrechterhalten, welches Bildungsungerechtigkeit und auch generelle gesellschaftliche Ungerechtigkeit fördert?", sagt Gering.

  • Frontalunterricht: Frontalunterricht als Standard sollte hinterfragt werden. Die Unterrichtsform habe ihre Berechtigung. "Das heißt aber nicht, dass er die einzige Methode sein sollte", sagt Gering.

  • Beteiligung: Die Vertretungen von Schülerinnen und Schülern sollen ernster genommen werden. "Wenn Jugendliche schon in der Schule übergangen werden, wie können wir dann erwarten, dass ihr Vertrauen in die Demokratie gestärkt wird?", sagt Stamm.

  • Rahmenlehrpläne: Die Überarbeitung der Lehrpläne soll gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern erfolgen. "Sie müssen verpflichtender und schmaler werden, aber auch Freiheiten für Lehrkräfte lassen", sagt Gering.

Quelle: dpa

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