BayernIst die Landesgartenschau ein Ladenhüter?

Aus Brachflächen werden blühende Landschaften - so funktionierte in den vergangenen Jahren das Prinzip Landesgartenschau häufig. Doch viele Orte haben inzwischen einen Rückzieher gemacht.
München (dpa/lby) - Eine Landesgartenschau oder eine Landesausstellung auszurichten, ist für einige Kommunen in Bayern längst kein erstrebenswertes Ziel mehr. Im Gegenteil: Die SPD im Landtag listet Orte auf, die die Ausrichterrolle wieder zurückgegeben haben und kritisiert zugleich, der Freistaat lasse Kommunen mit den finanziellen Folgen einer Absage allein.
"Eine Bewerbung ist für Kommunen mit erheblichem Planungsaufwand und finanziellen Entscheidungen verbunden. Deshalb muss nach einer Absage auch nachvollziehbar sein, welche Kosten entstanden sind und wer sie trägt", sagte der SPD-Abgeordnete Harry Scheuenstuhl. "Wer solche Projekte vergibt und fördert, sollte auch ihre finanziellen Risiken im Blick haben. Die Staatsregierung darf die Frage nach den Folgen einer Absage nicht allein an die Kommunen zurückgeben."
Diese Städte gaben Gartenschauen zurück
Die Staatsregierung könne jedoch die finanziellen Folgen für die betroffenen Kommunen vielfach nicht beziffern, wie eine Antwort auf eine Anfrage zeige, ergänzte Scheuenstuhl.
Demnach gab Traunstein den Zuschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 zurück, nachdem bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit gegen die Pläne gestimmt hatte. Erlangen zog für 2024 zurück. Die Gartenschauen wurden dann an Freyung beziehungsweise Kirchheim vergeben.
Aus finanziellen Gründen habe Schweinfurt auf die Landesgartenschau für dieses Jahr verzichtet, hieß es weiter. Als Ersatzkandidat war die Stadt Tittmoning im Gespräch, doch hier hatte sich der Stadtrat dagegen entschieden.
Auch Penzberg gab den Zuschlag für 2028 aus Haushaltsgründen zurück, wie die SPD weiter mitteilte. Die Landesgartenschau sei daraufhin an Donauwörth vergeben worden. Die Veranstaltungen in Ingolstadt und Freyung seien wegen der Corona-Pandemie verschoben worden.
Das sagt das Ministerium
Das Umweltministerium wies darauf hin, dass man bei der Gestaltung des Bewerbungsverfahrens darauf achte, die Kosten für die interessierten Kommunen "möglichst gering" zu halten. Zunächst gehe es darum, eine grobe Ideenskizze einzureichen, teilte eine Sprecherin mit. Erst in der zweiten Phase sei ein konkretes Konzept nötig.
"Dass eine Bewerbung und die Ausrichtung einer Gartenschau auch Kosten für die Kommunen mit sich bringen, ist diesen klar", ergänzte sie. "Es ist nicht auszuschließen, dass sich im Einzelfall die Haushaltssituation einer Stadt in den Jahren nach Erhalt des Zuschlags ändern kann und sich diese dann dazu entscheidet, sich von der Ausrichtung zurückzuziehen." Es herrsche dabei "volle Transparenz", dass bereits entstandene Kosten im Falle einer Absage von der Kommune getragen werden.
Rothenburg will keine Landesausstellung
Bei den Landesausstellungen habe es zwei Veränderungen gegeben: Die ursprünglich für Herrenchiemsee geplante Ausstellung "Götterdämmerung II" sei nach Regensburg verlegt worden. Die für 2028 in Rothenburg ob der Tauber geplante Schau gab die Stadt erst vor einigen Wochen zurück.
Als Ort für eine Landesausstellung können sich Kommunen beim Haus der Bayerischen Geschichte bewerben - Voraussetzungen sind etwa ein geeignetes Gebäude und die realistische Chance auf mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher.
Landesgartenschauen werden häufig dafür genutzt, um Brachflächen neu zu beleben - so etwa wurde für die Veranstaltung 2012 in Bamberg ein ehemaliges Industriegelände umgestaltet. Durch die Landesgartenschau 2018 in Würzburg fand sich eine neue Nutzung für ein früheres Militärareal.
Im vergangenen Jahr richtete Furth im Wald die Landesgartenschau aus. Nach damaligen Informationen flossen 11,3 Millionen Euro Fördermittel, die Kommune nahm aber auch eigene Mittel in die Hand.
"Grüne Erholungsorte"
Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) ist vom Konzept der Gartenschauen überzeugt, wie er betonte: "Landesgartenschauen bieten vielfältige Möglichkeiten für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Eine Landesgartenschau bietet die einmalige Gelegenheit, grüne Erholungsorte weiterzuentwickeln, neue städtebauliche Akzente zu setzen und Flächen aufzuwerten." Sie brächten "grüne Oasen in die Städte" und gäben Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels.
Premiere der bayerischen Gartenschauen war 1980 in Neu-Ulm. Die nächste Landesgartenschau geht 2027 in Bad Windsheim über die Bühne, die Jubiläumsausgabe 2030 ist in Nürnberg geplant.