Alexander Zverevs "Vorgänger" Boris Becker schickte seine Glückwünsche an die neue Nummer eins der Tenniswelt per Social Media. "Gratulation, Sascha", schrieb die deutsche Ikone bei X, nachdem der Hamburger den Sprung auf Platz eins der Weltrangliste perfekt gemacht hatte. Erstmals seit Becker 1991 steht wieder ein Deutscher ganz oben.
"Es ist anders als ein Turnier zu gewinnen, anders als eine Trophäe zu gewinnen. Aber es ist natürlich ein wahnsinniges Gefühl", sagte Zverev am Sky-Mikrofon, nachdem er durch ein 6:4, 7:5 gegen Tallon Griekspoor ins Viertelfinale des ATP-Turniers in Wien eingezogen war. Durch diesen Sieg wird er ab Montag als Nummer eins geführt. Dass Zverev den Italiener Jannik Sinner überholen und die Saison an der Spitze beenden würde, hatte ohnehin bereits festgestanden.

Zverev huldigt in ersten Worten als Nummer 1 seinem Team
Die Spitzenposition wird Zverev mindestens für 13 Wochen behalten und damit Becker auch als längste deutsche Nummer eins ablösen. "Eine Woche mehr hätte ich dann als Boris?", sagte Zverev auf der Pressekonferenz und schwang ironisch jubelnd die Faust: "Sehr gut. Dann hat sich der Sieg ja gelohnt." Dass er Becker in dieser Hinsicht übertrumpfen würde, sei "natürlich wunderschön", sagte er mit einem Lachen.
Zverevs Mut wird belohnt
Viel Zeit zum Feiern hatte Zverev nicht, schon am Freitag ist er in der Runde der letzten acht gegen den Briten Arthur Fery gefordert. Dennoch nahm er sich einen Moment, um zurückzublicken. Auf eine Saison, in der er in Paris und New York seine ersten beiden Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, ehe er mit stolzen 29 Jahren auf die Eins kletterte. "Ich musste warten, aber manchmal muss man auf die besten Dinge im Leben warten", so Zverev. Er habe "keine Worte für dieses Jahr".

Kuriose Panne verzögert Zverevs Aufschlag zur Nummer 1
Die Gründe für den Erfolg sah Zverev unter anderem in der Anpassung seiner Spielweise hin zu einem aggressiveren und aktiveren Stil. "Ich war mutig. Ich habe mein Spiel geändert dieses Jahr. Ich habe gesagt, dass ich mal was anderes probiere. Mit 29 Jahren. Ich glaube, das würde nicht jeder machen. Ich bin glücklich, dass das geklappt hat. Ich bin glücklich, dass ich jetzt da bin, wo ich bin. Das Jahr ist natürlich ein Traum."
"Struffi hat Djokovic geschlagen?"
Zverevs Eroberung der Spitze war am Donnerstagabend nicht der einzige deutsche Tennis-Coup. In Basel bezwang Jan-Lennard Struff Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic zum ersten Mal in seiner Karriere. "Struffi hat Djokovic geschlagen?", fragte Zverev in Wien ungläubig, als er von Struffs Sieg erfuhr. Nach dem ersten Sieg Struffs gegen den 24-maligen Major-Sieger im neunten Anlauf hofft Zverev auf einen nachhaltigen Aufschwung mit Blick auf die Davis-Cup-Finalrunde in Bologna (24. bis 29. November).

Deutsche Sportgrößen verneigen sich vor Zverev
"Ich hoffe, dass Struffi weiterhin so spielt, und nicht, dass jetzt wieder diese eine Woche sein wird, in der er wie geisteskrank super spielt und dann wieder sechs Wochen kein Match gewinnt", sagte Zverev nach seinem eigenen Achtelfinalsieg in Wien, nach dem er ab Montag die Nummer eins der Tenniswelt sein wird: "Das wäre ein bisschen schade. Aber wenn das nicht der Fall ist, freue ich mich sehr, die beste Nummer zwei in einem Mannschaftswettbewerb dabei zu haben. Das wäre schon sehr, sehr hilfreich."
Struff hatte Djokovic beim ATP-Turnier in Basel nach einem hochklassigen Achtelfinale mit 6:7 (4:7), 7:5, 7:6 (7:5) bezwungen. "Ich habe ihn noch nie so gut erlebt", lobte selbst der unterlegene Serbe.
Der 36-Jährige, der zuletzt bereits das Finale in Brüssel erreicht hatte, will seine Hochform möglichst lange konservieren. "Ich bin sehr glücklich, vor allem über die Art und Weise: mutig und die ganze Zeit nach vorn - auch in schwierigen Situationen", sagte Struff. Mit Blick auf den Saisonendspurt und den Davis Cup ergänzte er: "Ich habe einen super Lauf, das Selbstvertrauen muss ich jetzt mitnehmen." Im Viertelfinale von Basel trifft Struff auf den 29 Jahre alten Portugiesen Nuno Borges.

