Erst New York, dann die Rekorde?

Das Erfolgsrezept des Sensationsläufers Andreas Almgren

imageVon Emmanuel Schneider
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Andreas Almgren feiert ein überragendes Debüt. (Foto: dpa)
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03.11.2026 | 12:05 Uhr
Von der Bahn zum Marathon-Überflieger: Der Schwede Andreas Almgren sorgt beim prestigeträchtigen New York Marathon für eine faustdicke Überraschung. Hinter dem Sensationslauf steckt auch eine relativ neue, aber simple Methode.

Erster Marathon, erstes dickes Ausrufezeichen. Bei seiner Marathonpremiere hat der Schwede Andreas Almgren die Konkurrenz geschockt, holte als erster in Europa geborener Athlet seit 30 Jahren den Sieg im Big Apple.

Die Sieger-Zeit von 2:06:01 Stunden ist für die wellige und anspruchsvolle Strecke durch die fünf Stadtbezirke eine von Gewicht. Zumal Almgren bisher alle Erfahrungswerte der 42,195 km langen Strecke fehlten. Es war sein erster Wettkampflauf über diese Distanz, hinterher waren selbst Experten erstaunt. "Es ist grandios, dass er nach seinem EM-Titel über 10.000 Meter in Birmingham und zuvor Platz drei bei der WM in Tokio direkt durchgestartet ist und so schnell den Umstieg geschafft hat. Das ist sehr selten der Fall", sagte der Richard Ringer, Marathon-Europameister von 2022, bei Eurosport.

Bislang war der 31-Jährige vor allem über die Bahn erfolgreich. Über die 10 Kilometer holte er erst im September die Goldmedaille in Birmingham. Er hält die Europarekorde über 5.000 Meter, 10 Kilometer auf der Straße und im Halbmarathon. Und jetzt wurde auch noch der Sprung zur Königsdisziplin im Ausdauersport mit dem Triumph in New York gekrönt. Wie ist das so schnell möglich?

Die Voraussetzungen sind bestens: Von seinem brutalen Antritt und der Grundschnelligkeit profitierte Almgren auch in New York. Auf der letzten Meile hängte er seinen letzten verbliebenen Konkurrenten Yemaneberhan Crippa aus Italien ab. "So eine krasse Bandbreite wie er hat aktuell niemand", lobt Ringer.

Norwegische Methode bringt Schweden nach vorne

Nach schwereren Verletzungsproblemen in den vergangenen Jahren konnte er zuletzt konsequent über längere Zeit trainieren. Vorbereitet hat sich Almgren auf das Marathon-Debüt mit einer besonderen Trainingsmethode, die er aber über die Bahn schon länger integriert hat und die von norwegischen Stars wie Jakob Ingebrigsten groß gemacht wurde.

Er kombiniert ein hohes Lauf-Volumen, also lange Einheiten mit weniger Belastung mit dem "double threshold", dem sogenannten doppeltem Schwellen-Training. Bedeutet: An zwei ausgewählten Tagen spult er morgens und nachmittags zwei Einheiten an der Schwelle ab, in dem Belastungsbereich, in dem der Körper gerade noch so viel Laktakt abbaut, wie er produziert.

Kontrolliert wird das mit Laktatmessungen im Blut. Dadurch wird die Belastung für den Körper nicht zu krass und die hohen Umfänge über 200 Kilometer pro Woche lassen sich besser durchziehen. Es ist also eine Kombination von hohen Umfängen mit qualitativ hochwertigen Kilometern. "Im Marathon ist diese Methode noch neuer, auf der Bahn wird das schon standardmäßig gemacht. Aufgrund des hohen Volumens hat er sehr wenig Laktat und niedrige Pulswerte. Dieses Training konnte er ohne große Probleme durchziehen", erläutert Ringer.

Zudem profitiere der Schwede von seinem besonderen Laufstil. "Es ist einfach sehr schön anzusehen, wie er läuft. Das hat aber auch Seltenheitswert, denn man hat gemerkt, dass er noch einen Bahnschritt hat, der mehr Kraft kostet. " Bedeutet aber auch: Hier kann sich Almgren verbessern, noch effizienter und dadurch schneller werden. Die Konkurrenz ist gewarnt.

Wird Almgren bald schon auf der Marathondistanz Rekorde angreifen? "Beim Europarekord wird er sich auf jeden Fall an die Spitze setzen", prophezeit Ringer. "Wenn man seine 58 Minuten im Halbmarathon hochrechnet, kann das schon Richtung 2:01 Stunden oder 2:02 Stunden gehen. Für unter zwei Stunden gehört schon noch ein bisschen mehr Erfahrung und Training dazu."

Der Schwede hat jedenfalls Blut geleckt. Augenzwinkernd sagte er nach seinem New-York-Sieg: "Diese Marathonsache macht ja ziemlich viel Spaß."

Verwendete Quelle: ntv.de