Radsport-Superstar Tadej Pogacar hat erstmals das volle Ausmaß seiner schweren Verletzungen nach seinem Sturz bei der Vuelta Ende August geschildert. Wie der Slowene bei "The Athletic" erklärte, erlitt er neben einer Gehirnerschütterung und der Fraktur des linken Schlüsselbeins nicht nur einen, sondern drei Wirbelbrüche - einen in der Hals- und zwei in der oberen Brustwirbelsäule.
"Als ich gesehen habe, dass ich drei gebrochene Wirbel habe? Ich bin einfach froh, am Leben zu sein - oder einfach nur stehen zu können", sagte der fünfmalige Tour-Sieger, der seine Saison nach dem Sturz bei der Spanien-Rundfahrt vorzeitig beendet hatte. Die weiteren Brüche seien erst vor zwei Wochen bei einem CT in Slowenien entdeckt worden: "Zu diesem Zeitpunkt war ich froh, nicht an den Europameisterschaften teilgenommen zu haben, die eigentlich mein Ziel waren." Neben der EM in seiner Heimat Slowenien verpasste er auch die Straßenrad-WM in Montréal/Kanada und die Lombardei-Rundfahrt.
Besonders die ersten Wochen der Genesung seien schwierig gewesen, berichtete Pogacar. Sein Gleichgewichtssinn sei "völlig durcheinander" gewesen: "Ich konnte nicht duschen. Mir wurde schwindelig, sobald ich aufstand oder den Kopf senkte. Ich war völlig erledigt, es war so hart." Auch mental sei er zunächst "nicht okay" gewesen und habe sich zeitweise "wie depressiv" gefühlt. "Es machte keinen Spaß, mit mir zusammen zu sein."
Mittlerweile trainiert Pogacar wieder, verspürt nach eigenen Angaben keine körperlichen Beschwerden mehr, räumte jedoch ein, in Abfahrten zunächst Respekt vor einem erneuten Sturz gehabt zu haben. "Alle sagen, ich hätte Glück gehabt", berichtete Pogacar. Je mehr er jedoch über seine Verletzungen erfahren habe, desto bewusster sei ihm deren Schwere geworden. "Es ist ehrlich gesagt ein bisschen beängstigend, darüber nachzudenken."
Kritik an Sicherheitsbedingungen
Zugleich übte der Slowene Kritik an den Sicherheitsbedingungen im Radsport. "Diese Unfälle häufen sich", sagte Pogacar und forderte die Rennveranstalter auf, gefährliche Straßenabschnitte und Hindernisse vor allem im Zielbereich konsequenter zu vermeiden. "Wir müssen schlechte Oberflächen und Kurven auf den letzten 500 Metern, Schlaglöcher, Bremsschwellen und Kreisverkehre vermeiden", appellierte der Radstar.
Dennoch möchte er zurückkehren an den Ort seines Sturzes. "Auch wenn ich lieber den Giro fahren würde, muss ich irgendwann auch die Vuelta abhaken", hatte er der öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt RTV SLO gesagt: "Ich denke, das wird das Ziel für nächstes Jahr sein." Die Vuelta ist die einzige große Rundfahrt, die Pogacar bislang noch nicht gewonnen hat.
Abgesehen von der Rückkehr nach Spanien hat der Slowene noch zwei weitere große Events für die kommende Saison im Auge - beide finden in Frankreich statt. Neben der Tour de France, bei der Pogacar mit seinem sechsten Erfolg zum alleinigen Rekordsieger aufsteigen würde, werden in der Urlaubsregion Haute-Savoie Mont-Blanc die Weltmeisterschaften ausgetragen.


